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Eine Person mit dem Gesicht von Friedrich Engels sitzt auf drei Scheiben Toast

»SO FLEXIBEL WIE DEIN STUDI-LIFE«, steht in großen Lettern auf einem Beitrag in den sozialen Medien des Studierendenwerkes Frankfurt am Main zu Beginn des Sommersemesters 2026. Damit wird ein Studierendenhostel mit dem Namen »HOME« beworben. Betrieben wird es vom Studierendenwerk.

Sonderkonditionen gibt es für eingeschriebene Studierende: Wer sich als Student*in einer Frankfurter Universität oder Hochschule für mindestens drei Monate einmietet, zahlt 21 Euro pro Nacht (630 Euro im Monat). Bei kürzeren Aufenthalten bis zu 30 Tagen 25 Euro pro Nacht (750 Euro im Monat), ab sieben Nächten 30 Euro pro Nacht (210 Euro pro Woche). Dazu lässt sich direkt ein Frühstück mitbuchen für 8 Euro pro Tag im Vorfeld oder je nach Bedarf für 10,50 Euro einzeln buchen. Da es weder in den Zimmern noch in den Gemeinschaftsräumen eine Küche gibt, scheint das Frühstück durchaus sinnvoll.

»Es ist kurz vor Semesterbeginn und Du hast noch keine Unterkunft? Nutze unser Studierendenhostel HOME«, heißt es im Beitrag aus dem März. Es sei »ideal als Übergangslösung«. Rechnet man den Monatstarif von 750 Euro plus das im Voraus gebuchte Frühstück zusammen, ergibt sich ein Betrag von 990 Euro (zum Vergleich: der aktuelle BAföG-Höchstsatz liegt bei 992 Euro monatlich).

Backpacken oder Studieren?

Vieles erinnert eher an Backpacken in Südostasien als an ein Angebot für Studierende. »Welcome Voyager« prangt auf der Website: »In unserem Hostel trifft modernes Design auf einladende Gemütlichkeit. @HOME bietet die perfekte Kombination aus einem entspannten Ambiente und lebendigem City-Vibe.« Neben Einzelzimmern, die sonst ab 49 Euro gebucht werden können, bietet das Studierendenhostel auch Schlafkapseln ab 30 Euro sowie Zwei- und Dreibettzimmer ab 88 Euro, jeweils pro Nacht.

Gelegen im beliebten Frankfurter Stadtteil Bockenheim, genauer im neugebauten Schönhof-Viertel, in direkter Nähe zum Frankfurter Westbahnhof – mit guter Anbindung zur Messe, Hauptbahnhof und Flughafen – ist das laut Website ein preisgünstiges Angebot »für einen Business-Trip oder eine Städtereise«. Aber für Studierende? Auch das Studierendenwerk gesteht auf Anfrage der AStA-Zeitung ein, dass die Auslastung eher gering sei, allerdings kontinuierlich wachse. Dabei habe sich »die Bekanntheit und Nachfrage von Nichtstudierenden bislang besser entwickelt als die von Studierenden«.

Generell beziffert das Studierendenwerk den Bedarf an Wohnheimplätzen für Studierende auf 7.000 bei momentan circa 3.500 bestehenden. In den kommenden Jahren sollen »mindestens 1.000 weitere Plätze« realisiert werden – sofern »geeignete Grundstücke und eine ausreichende öffentliche Förderung zur Verfügung stehen«, wie das Studierendenwerk mitteilt.

Besser als nichts… ?

Das Hostel soll kein klassisches Studierendenwohnheim sein. Es wurde vom Projektpartner im Schönhof-Viertel, den Nassauischen Heimstätten, »nach dem Bebauungsplan auf einem Gewerbegrundstück« errichtet. Diese vermieten es wiederum an das Studierendenwerk. Nach Angaben des Studierendenwerkes hätten sie den Wunsch vorgetragen, »dort auch ein klassisches Studierendenwohnheim zu realisieren«. Weder diesem Wunsch wurde entsprochen, noch wurde eine öffentliche Finanzierung durch das Land Hessen oder die Stadt Frankfurt sichergestellt, »um noch günstigere Studierendenpreise zu erreichen«. Dabei »kann und soll« das Hostel keinen »günstigen und hochschulnahen Wohnraum« ersetzen, »sondern richtet sich an Studierende, die eine Übernachtungsmöglichkeit für einen Bedarf von wenigen Tagen oder mehreren Wochen suchen«.

Also besser als nichts? In der öffentlichen Debatte und wissenschaftlichen Forschung wird zunehmend kritisch diskutiert, ob temporäre und vergleichsweise hochpreisige Wohnangebote – auch wenn sie als »Übergangslösung« deklariert sind – mittelbar zur weiteren Preissteigerung auf dem studentischen Wohnungsmarkt beitragen können. Auf die Frage, ob das Studierendenhostel die allgemeinen Miet- und WG-Zimmerpreise eher treibe als abschwäche, verweist das Studierendenwerk vor allem auf die fortschreitende Internationalisierung der Hochschulen.

Hier sei eine »Verfügbarkeit von Wohnraum oft entscheidend für die Auswahl des Studienortes und den Studienplatzantritt«. Dementsprechend führe die Schaffung von »Kurzzeitunterkünften« dazu, »dass sich Studierende für den Hochschulstandort Frankfurt am Main entscheiden« und sich vor Ort »in Ruhe nach einer Wohnung umsehen zu können«. Also internationaler Wettbewerb um die besten Köpfe statt bezahlbares Studium für die Mehrheit? Diesen Vorwurf muss sich das Studierendenwerk mindestens gefallen lassen.

Leerstand und Boardinghouses

Neben dem Studierendenwerk stehen allerdings vor allem das Land Hessen und die Stadt Frankfurt in der Pflicht. Sie sind gemeinsam die Mehrheitseigner der Nassauischen Heimstätten als öffentliches Unternehmen. Die Stadt Frankfurt beschließt die Bebauungspläne, in denen festgeschrieben wird, was wo gebaut werden darf, und das Land Hessen finanziert das Studierendenwerk. Dass bezahlbarer Wohnraum für Studierende dringend benötigt wird, scheint zwar in der Politik angekommen zu sein, dabei bleibt es aber allzu oft bei schmalen Lippenbekenntnissen.

Dabei ist Frankfurt nicht erst seit gestern Leerstandshauptstadt der Republik. Bis zu zwei Millionen Quadratmeter Büroleerstand soll es geben. Trotzdem wird der Bau von immer mehr Bürohochhäusern genehmigt. Wie lange Frankfurt so ein attraktiver Standort für internationale Studierende bleibt, denen ein Studium in England zu teuer ist und die sich nach europäischen Alternativen umschauen, bleibt abzuwarten. Studierende ohne größeres Budget bleiben in jedem Fall auf der Strecke.

Vor allem sogenannte Boardinghouses, mit denen das Studierendenhostel durchaus verglichen werden kann, sprießen sowohl in Frankfurt als auch in Offenbach wie Unkraut aus dem Boden. Damit gemeint sind Zimmer oder Apartments mit hotelähnlichen Leistungen. Für Investoren sind diese oft gewinnversprechender als gewöhnliche Immobilien. Da sie möbliert sind, sind sie nicht an die Mietpreisbremse gebunden. Ob sich das Studierendenwerk an solchen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt beteiligen sollte, steht auf einem anderen Blatt und muss politisch beantwortet werden. Das Hostel sei »auf vielfachen Wunsch von Studierenden- und Hochschulvertreter*innen realisiert« worden, heißt es vom Studierendenwerk. Eine progressive Wohnungspolitik für Studierenden sieht allerdings anders aus.

Alte Antworten

Wie bereits Friedrich Engels festhielt, besitzt »die Bourgeoisie nur eine Methode, die Wohnungsfrage in ihrer Art zu lösen – das heißt, sie so zu lösen, dass die Lösung die Frage immer wieder von neuem erzeugt«. Dass die Wohnungsfrage jedoch auch anders beantwortet werden kann, zeigt durchaus die Frankfurter Geschichte. Die Architektin und Stadtplanerin Gabu Heindl verweist im Interview mit der Otto Brenner Stiftung auf das »Neue Frankfurt« der 1920er Jahre: Durch massive öffentliche Eingriffe entstanden damals bezahlbare Wohnsiedlungen für Arbeiter*innen. Voraussetzung dafür war allerdings, dass die Eigentumsfrage tatsächlich gestellt wurde – inklusive eines Enteignungskonzepts für Grünflächen, ohne das der Wohnungsbau gar nicht möglich gewesen wäre. Die Grünflächen von damals existieren heute kaum noch. Doch Heindl formuliert eine naheliegende Antwort: Das »neue Neue Frankfurt« sei längst gebaut und stehe leer: »Diese Leerstände sind die ›Äcker‘ von heute.«

Wie also lässt sich bezahlbarer Wohnraum schaffen – für Studierende und darüber hinaus? Sicher nicht indem immer neue Zwischenlösungen als wohnungspolitische Innovation verkauft werden. Ohne Instrumente, die konsequent in Eigentums- und Verwertungslogiken eingreifen, wird die Krise bezüglich bezahlbarem Wohnraum realistischerweise nicht zu lösen sein. Statt Wohnraum bis in die letzte Abstellkammer zu mobilisieren – etwa durch Kampagnen wie »Wohnraum gesucht«, auf die auch das Studierendenwerk auf Anfrage verweist –, wäre eine tatsächliche Wohnwende nötig: die Umnutzung von Leerstand und eine Politik, die Wohnen nicht länger dem Markt überlässt. Denn wie der Sozialwissenschaftler Andrej Holm bereits 2011 anmerkte, kann die »Dekommodifizierung, also das Herauslösen der Wohnungsversorgung aus den Marktlogiken, […] dabei als Ziel und Maßstab für die Bewertung wohnungspolitischer Programme und Regelungen verstanden werden«.