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Friedrich Merz in einem Flugzeug mit Aufschrift "Mittelschicht"

»Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance«, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Mai 2025, »werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können«. Die Debatten um Arbeitszeit und Produktivität reißen seitdem nicht mehr ab. Auch die geplante BAföG-Reform steht auf der Kippe. Eine Glosse.

Während der größte soziale Kahlschlag seit der Agenda 2010 unter der damaligen rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) vorbereitet wird, sollen unausgeschöpfte Arbeitsmarktpotenziale ausgeschöpft werden. Rentner*innen sollen wieder oder weiter arbeiten, wenn sie nicht sowieso schon Flaschen sammeln. Auch alleinerziehende Mütter oder Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, sollen doch bitte wieder eine Vollzeittätigkeit aufnehmen. Das Bruttoinlandsprodukt muss gesteigert werden. Die Acht-Stunden-Tag-Mentalität ist beendet. Ob durch Dienst an der Waffe oder durch Überarbeitung, frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für ein Land tun kannst. Aktivierende Arbeitsmarktpolitik statt Work-Life-Balance. 

Auch die Ministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär ließ Anfang Juni verlauten: »Wenn Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld Kürzungen vorgenommen werden, dann ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig an anderer Stelle große zusätzliche Leistungen verspricht«. Es ist konsequent, dass die geplante BAföG-Reform unter finanziellem Vorbehalt steht. In unserem schönen Deutschland leben wir sowieso »in einer sehr privilegierten Situation«. So sei es kein »Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben«. Wichtige Erfahrungen – »fürs Leben und den Beruf« – sind das. Auch bei Studierenden heißt es also endlich, Schluss mit der Service-Mentalität. Mal wieder richtig ranklotzen. Schluss mit dem »Vollkaskostudium« – jetzt. 

Billige Arbeitskräfte braucht das Land. Die Qualifikation der Ware Arbeitskraft kann in einem Hochtechnologieland durchaus vernachlässigt werden. KI-Entwickler kann eben nicht jede*r werden. Und bis dahin gilt eben survial of the fittest, Bestenauslese. Das wusste auch schon Charles Darwin. Auch wenn der kein Deutscher war. »Hightech-Agenda«, »Kernfusion« und natürlich Raumfahrt. Für diese hehren Ziele könnten deutsche Studierende auch mal auf das Zuckerbrot verzichten. Das ist patriotische Pflicht. Und wenn sie gleichzeitig in prekären Jobs effektiv in die Akkumulation von Kapital eingebunden sind, umso besser: für Vaterland, Nation und Kapital. Gefangene werden nicht gemacht. Ein paar Verluste gibt es immer.